Personenschaden Ansprüche nach Verkehrsunfall Neuruppin Wittstock Verkehrsrecht
Personenschaden Ansprüche nach Verkehrsunfall Neuruppin Wittstock Verkehrsrecht

Personenschaden nach Verkehrsunfall – Welche Ansprüche hat der Geschädigte?

 

Wird ein Verkehrsteilnehmer durch einen Verkehrsunfall verletzt, hat er – je nach Schwere der Verletzung – verschiedene Ansprüche gegen den Unfallgegner bzw. dessen Haftpflichtversicherer.

 

Hier finden Sie eine kurze Übersicht über die wichtigsten Ansprüche.

 

 

Schmerzensgeld

 

Wenn der Geschädigte aufgrund des Unfalls eine Verletzung erleidet, die über eine bloße Bagatelle hinausgeht, hat er Anspruch auf Schmerzensgeld.

 

Dies betrifft sowohl körperliche als auch psychische Verletzungen.

 

Um die Höhe des Schmerzensgeldes bestimmen zu können, müssen Berichte von den behandelnden Ärzten eingeholt werden. Dies wird meist von dem Haftpflichtversicherer des Schädigers übernommen, der die Berichte an den Anwalt des Geschädigten weiterleitet.

 

Anschließend wertet der Anwalt die Arztberichte aus und beziffert den konkreten Schmerzensgeldanspruch gegenüber dem gegnerischen Haftpflichtversicherer. Hierbei wird meist auf eine Tabelle mit einschlägigen Schmerzensgeld-Urteilen zurückgegriffen.

 

Kann eine Einigung über die Höhe des Schmerzensgeldes nicht erzielt werden, kann das Schmerzensgeld eingeklagt werden, wobei dem Gericht die Bestimmung der Höhe übertragen wird.

 

Grundsätzlich wird Schmerzensgeld als Einmal-Leistung gezahlt. In Fällen von lebenslangen, schweren Dauerschäden kommt auch eine Schmerzensgeldrente in Betracht.

 

 

Verdienstausfall

 

Wird der Verletzte aufgrund des Unfalls arbeitsunfähig, zahlt sein Arbeitgeber für die Dauer von 6 Wochen das Gehalt als Entgeltfortzahlung weiter, so dass dem Geschädigten bei einer Arbeitsunfähigkeit von bis zu 6 Wochen kein Verdienstausfall entsteht.

 

Jedoch kann der Arbeitgeber des Geschädigten beim Unfallverursacher das „umsonst“ gezahlte Gehalt als Schaden geltend machen.

 

Geht die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit über 6 Wochen hinaus, erhält der Geschädigte von seiner Krankenkasse bis zu 18 Monate Krankengeld. Da das Krankengeld lediglich 70% des Nettogehalts entspricht, kann der Geschädigte vom Schädiger die Differenz von 30% als Erwerbsschaden ersetzt verlangen.

 

Die Krankenkasse macht die ihr durch das Krankengeld entstandenen Aufwendungen selbstständig gegenüber dem Schädiger geltend.

 

Geht die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit über den Krankengeld-Zeitraum hinaus, hat der Geschädigte grundsätzlich Anspruch auf Ersatz des gesamten Verdienstausfalls, da er so zu stellen ist, als ob der Unfall sich nicht ereignet hätte.

 

Der Erwerbsschaden umfasst neben dem „normalen“ Gehalt auch Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Überstundenvergütung, Schichtzulagen, Erschwerniszulagen, vermögenswirksame Leistungen, Fahrtgeld, Mitarbeiterrabatte, Trinkgelder, versicherungsrechtliche Nachteile, Rentenminderung u.a.

 

Ist der Verletzte Unternehmer, gestaltet sich die Berechnung des Erwerbsschadens deutlich komplizierter. Entscheidend ist, wie sich das Geschäft und der Gewinn des Verletzten ohne den Unfall entwickelt hätten. Bei dieser hypothetischen Betrachtung bedienen sich die Gerichte häufig eines Sachverständigen, um alle maßgeblichen Faktoren verlässlich berücksichtigen zu können.

 

 

Heilbehandlungskosten

 

Der Schädiger hat dem Geschädigten grundsätzlich auch alle Kosten zu erstatten, die im Rahmen der unfallbedingten Heilbehandlung entstehen.

 

Hierzu zählen Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen, Kosten der Fahrten zu Behandlungen, Kosten für kosmetische Operationen, Kosten der Besuche naher Angehöriger, Nebenkosten stationärer Behandlung.

 

Die Krankenkasse des Geschädigten, die meist den Großteil der unfallbedingten Behandlungskosten zahlt, hat einen eigenen Schadensersatzanspruch gegen den Schädiger, der direkt durchgesetzt wird.

 

Bei unfallbedingten stationären Aufenthalten muss sich der Geschädigte allerdings ersparte Verpflegungskosten anrechnen lassen, da er sich während dieser Zeit nicht zu Hause selbst verpflegen muss. Dem wird meist dadurch Rechnung getragen, dass die tägliche Krankenhaus-Zuzahlung von ca. 10,00 EUR vom Versicherer des Schädigers mit den ersparten Aufwendungen verrechnet wird.

 

 

Vermehrte Bedürfnisse

 

Hat der Geschädigte aufgrund der unfallbedingten Verletzungen finanzielle Aufwendungen, die regelmäßig entstehen, spricht man von vermehrten Bedürfnissen. Diese sind grundsätzlich vom Schädiger zu ersetzen.

 

Hierzu zählen z.B. Kosten für behindertengerechte Fahrzeuge, behindertengerechtes Wohnen, spezielle Diäten, elektronische Schreibhilfen, Haushaltshilfen, Körperpflegemittel, künstliche Befruchtung, Kuren, orthopädische Hilfsmittel, Pflegekosten, Privatunterricht für Schüler und Stärkungsmittel.

 

Auch hier gilt, dass die Krankenkasse, Rentenversicherung, Pflegeversicherung oder Berufsgenossenschaft, die in Vorleistung geht, die gezahlten Beträge direkt vom Schädiger zurückverlangen kann.

 

 

Haushaltsführungsschaden

 

Kann der Geschädigte wegen unfallbedingter Verletzungen seinen Haushalt nicht bzw. nur eingeschränkt führen, steht im Schadensersatz zu.

 

Die Höhe des Schadensersatzes hängt von der Größe und Ausstattung des Haushalts, der Anzahl der Personen im Haushalt, der Erwerbstätigkeit des Geschädigten und weiteren individuellen Faktoren ab.

 

Es kommt nicht darauf an, wie viel Zeit der Geschädigte vor dem Unfall tatsächlich konkret mit der Hausarbeit verbracht hat.

 

Als Hilfsmittel zur Berechnung dienen Tabellen, die jedoch nicht rein schematisch angewandt werden dürfen. Vielmehr muss der jeweilige Sonderfall im Einzelnen berücksichtigt werden. So muss die konkrete haushaltsspezifische Behinderung des Geschädigten ermittelt werden.

 

 

 

 

Die Regulierung von schweren Personenschäden ist ein sehr komplexes, langwieriges Prozedere, das ein Geschädigter keinesfalls ohne anwaltliche Begleitung unternehmen sollte. Da es sich um eine hochspezielle Materie handelt, sollte ein Fachanwalt für Verkehrsrecht hinzugezogen werden.

 

 

 

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